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Terminplanung Aktivitäten 2021

Datum
Art der Begegnung
fällt aus
Jubiläum 50+1 Jahre Stadtrechte Bargteheide (bitte die offiziellen Seiten der Stadt Bargteheide beachten)
09.05.2021
Europatag
fällt aus
Delegation aus Bargteheide in Déville
09.08.2021
Informationsabend in der VHS zur Studienreise nach Polen (17.10.-24.10.2021)
09.09.2021 (18:30 Uhr)
Żmigróder Rad-Lust: Online-Vortrag von Robert Lewandowski (Bürgermeister der Gemeinde Żmigród)
fällt aus
Delegation aus Żmigród in Bargteheide
17.10.-24.10.2021
Studienreise nach Südpolen
19.11.-21.11.2021
Arbeitssitzung mit Déville in Bargteheide


Żmigróder Rad-Lust


Żmigróder Rad-Lust

Online-Vortrag von Robert Lewandowski

Bürgermeister der Gemeinde Żmigród

9. September 2021, 18:30 Uhr


Derzeit wird über das Thema Radverkehr in Bargteheide intensiv diskutiert. Bargteheides polnische Partnerstadt Żmigród verwirklicht schon seit einiger Zeit konsequent ein eigenes Radverkehrskonzept. Viele Kilometer Radwege sind in der Gemeinde in den vergangenen Jahren neu entstanden. Werbeaktionen, mit denen man Bürgerinnen und Bürger zur stärkeren Benutzung des Fahrrades motivieren möchte, werden so glaubwürdig. Vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie hat man in Żmigród für 2021 das Jahr des Fahrrades ausgerufen.

Für den Europaverein Bargteheide war dies ein Anlass, den Żmigróder Bürgermeister Robert Lewandowski zu einem Online-Vortrag einzuladen, bei dem er das Konzept „Żmigrodove Roverlove“ („Rower“ = polnisch für „Fahrrad“) vorstellt. Der Abend dürfte für alle spannend sein, die sich für die Entwicklung des Radverkehrs interessieren oder vielleicht auch nur ein attraktives Rad-Urlaubsziel suchen. Die Veranstaltung wird simultan übersetzt (deutsch-polnisch). Als Konferenztool wird Zoom verwendet.

Anmeldung unter: mailto:info@europaverein-bargteheide.de




Nachrichten aus den Partnerstädten


Inhaltsverzeichnis


Südpolen: Kultur und Geschichte


Beim Nachbarn zu Gast

Südpolen: Kultur und Geschichte

Vortrag von Katarzyna Vacek
Montag, 9. August 2021, 19:30 Uhr
Stadthaus Bargteheide, Großer Saal


Der 1999 gegründete Europaverein Bargteheide e.V. ist Träger der offiziellen Städtepartnerschaften Bargteheides mit Déville-lès-Rouen in Frankreich und dem polnischen Żmigród bei Breslau. Mit persönlichen Begegnungen und gemeinsamen Projekten möchte er die Verschwisterungen für die Bargteheider Bürgerinnen und Bürger lebendig machen. Zudem bietet er Informationsveranstaltungen über die Partnerstädte und ihre Länder an, um das Lebensumfeld der Menschen in den Schwesterkommunen näherzubringen sowie das allgemeine Interesse an unseren Nachbarländern zu wecken bzw. zu fördern.

Corona hat diese Möglichkeiten seit dem letzten Jahr stark eingeschränkt. Und nun - endlich - kann unsere Vortragsreihe "Beim Nachbarn zu Gast" fortgesetzt werden. Der Europaverein Bargteheide präsentiert in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule am Montag, dem 09.08.2021 um 19:30 Uhr im Stadthaus einen Vortrag von Katarzyna Vacek über die Kultur und Geschichte Südpolens.

Über das Riesengebirge mit Attraktionen wie der Stabskirche Wang oder dem Gerhard-Hauptmann-Museum Villa Wiesenstein nimmt sie uns mit in das malerische Krakau. Krakau ist besonders bekannt für seinen gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern.

Die nächste Station ist Breslau, die Hauptstadt der historischen Region Schlesien mit einer sehr wechselvollen Geschichte.

Viele Bargteheider haben die Niederschlesische Metropole bei den Besuchen in Żmigród schon kennengelernt. Die mit 630.000 Einwohnern viertgrößte Stadt Polens besticht durch ihre architektonischen Schätze wie die Dominsel, die Jahrhunderthalle und natürlich den mittelalterlichen Markt, der heute die Kulisse für viele Veranstaltungen bildet.

Frau Vacek ist polnische Germanistin und betreibt zusammen mit ihrem Mann einen Spezialreise-Service mit Schwerpunkt Polen und Ostmitteleuropa. Die Unternehmerin begleitet die Reisegruppen als Fremdenführerin oft selbst und verfügt dank ihrer jahrelangen Erfahrung über ein profundes landeskundliches Wissen.

So ist dieser Vortrag auch gleichzeitig als Vorbereitung für eine Studienreise gedacht, die der Europaverein in der Zeit vom 17. bis 24.Oktober 2021 anbietet. Informationen dazu sind an dem Abend selbst von Frau Vacek zu erhalten oder schon vorher über den Europaverein. Der Eintritt für diese Veranstaltung ist frei.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Die zum Zeitpunkt der Veranstaltung geltenden Corona-Regeln sind zu beachten.







Stadtzeitung Żmigród: Neues aus Bargteheide (4)


Hier ist die deutsche Übersetzung des aktuellen Artikels Christof Leidners für die Stadtzeitung Żmigród.

Neues aus Bargteheide

Sehr verehrte Damen und Herren, hier kommt der nächste Teil meines Blicks durch die Lokalpresse von Bargteheide, der deutschen Partnerstadt Żmigróds. Wie üblich garantiere ich, dass er zu 100% subjektiv sein wird. Und selbst wenn die Impfungen zum Glück und endlich positive Ergebnisse in Form negativer Testergebnisse zeitigen, hatten die meisten Nachrichten aus dem zweiten Quartal immer noch auf irgendeine Weise mit Corona zu tun. Hoffen wir, dass wir bald andere Themen haben.

  • Der deutsche Föderalismus hat seine Vorzüge. Aber in der Zeit der Pandemie hat sich gezeigt, dass das Land zu einem Flickenteppich unterschiedlichster Vorschriften geworden ist, weil jede Region den von der Ministerpräsidentenkonferenz gesetzten Rahmen etwas anders ausgefüllt hat. Deshalb wurde noch Ende April ein Bundesgesetz unter dem Schlagwort "Notbremse" eingeführt. Es sah die automatische Inkraftsetzung von Einschränkungen wie z. B. Ausgangssperren auf dem Gebiet eines Landkreises vor, wenn der Index von Neuinfektionen einen bestimmten Wert überschritt. Die Vorschrift fand übrigens auch vorübergehend im Landkreis der Bargteheider Anwendung. Die absurde Konsequenz dieses Gesetzes war die Einführung einer Ausgangssperre auf der kleinen Hochseeinsel Helgoland in der Nordsee. Zwar wurde unter den 1.300 Einwohnern keine einzige Infektion verzeichnet. Aber Helgoland gehört verwaltungstechnisch zu einem Landkreis an der Westgrenze Hamburgs, wo das Virus tobte. Der Föderalismus hat wohl doch seine Vorzüge …

  • "Die Pandemie hält unserem Land den Spiegel vor.", sagte der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Osteransprache. Tatsächlich muss man zugeben, dass das Coronaviurs die organisatorischen Schwächen und den mangelnden Pragmatismus in Deutschland gnadenlos bloßgelegt hat. Aber wir sollten nicht die positiven Beispiele übersehen. Als im März Testzentren einzurichten waren, stellte die evangelische Kirchengemeinde in Bargteheide
    zu diesem Zweck … ihr Gotteshaus zur Verfügung! Es eignet sich wegen seiner Größe hervorragend dazu. Dreimal in der Woche nehmen Mitarbeiter des Roten Kreuzes den Freiwilligen vor dem Altar Nasenabstriche. Die Bestätigung eines negativen Testergebnisses war damals z. B. Bedingung für einen Friseurbesuch. Ob das Ergebnis auch den göttlichen Segen enthielt? Das weiß ich nicht.

  • Vor neun Jahren begannen Żmigród und Bargteheide mit den Sanierungsplänen für ihre Schwimmbäder und zu diesem Anlass kam es zu einem Erfahrungsaustausch zwischen unseren Kommunen. Während Żmigród die Sanierung in einem Zug durchführte und seinen Aquagród [Name des Schwimmbades in Żmigród – C.L.] bereits 2014 eröffnete, verteilte Bargteheide das Vorhaben auf mehrere Jahre, um den städtischen Haushalt zu schonen. Seit Herbst nähert sich das große Finale in Form des Baus eines neuen Gebäudes, in dem sich die Eintrittskasse, die Umkleideräume, ein Kiosk, Sozialräume, usw. befinden. Aus verschiedenen Gründen haben sich die Arbeiten leider etwas hingezogen. Die Stadtvertreter bestanden jedoch darauf, das Bad für die Bürgerinnen und Bürger so schnell wie möglich zu öffnen, damit diese ein zusätzliches Freizeitangebot in der abklingenden Pandemie haben. Für eine provisorische Lösung machten sie
    ein hübsches Sümmchen locker. Tja, es sieht danach aus, dass die Bargteheider in diesem Sommer auf einer Baustelle schwimmen werden. Und es erweist sich, dass sogar wir Deutsche improvisieren können, wenn wir uns nur etwas anstrengen.

  • In Folge der Pandemie fand immer noch ein großer Teil des gesellschaftlichen Lebens der Bargteheider im Internet statt. Zum allgemeinen Bedauern konnte der 50. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte, der schon im vergangenen Jahr hatte begangen werden sollen, nur in digitaler Form stattfinden. Am Tag des Jubiläums wurden einige Filme u.a. mit den Festansprachen der Bürgermeisterin und der Bürgervorsteherin veröffentlicht. Aber auch die Bürgerinnen
    und Bürger kamen zu Wort. Ebenfalls ins Internet verlegte ein Kreis von Fotokünstlern aus Bargteheide seine Ausstellung unter dem Titel „Silhouetten“. Man kann sie jetzt auf der Seite https://www.vhs-bargteheide.de/silhouetten-online-galerie-der-fotogruppe-spektrum bewundern. Besonders gelungen war ein digitaler Schüleraustausch einer unserer Schulen mit einer spanischen Schule. Im Laufe einer Woche knüpften die Schüler individuelle Kontakte, nahmen
    am Distanzunterricht ihrer ausländischen Kameraden teil und drehten Kochfilme über traditionelle Speisen des eigenen Landes. Das alles sind wirklich schöne Beispiele. Vergessen wir nur nicht, nach der Corona-Krise wieder in die reale Welt zurückzukehren!

  • Und ganz zum Schluss noch eine Geschichte ohne Bezug zur Pandemie, wenngleich auch nicht erfreulich. Liebe Leser, bitte stellen Sie sich vor, dass Sie sorglos in Ihrem Wohnzimmer sitzen und plötzlich erscheint mit lautem Knall ein großer Lkw im Zimmer! Mitte April hatte eine dreiköpfige Familie, die an einer Hauptstraße in Bargteheide wohnte, so ein Horrorerlebnis. Ein Lkw-Fahrer kam von der Fahrbahn ab, überfuhr das Wartehäuschen einer Bushaltestelle und durchschlug mit seinem Fahrzeug die Wand des Hauses, hinter der die nichts Böses ahnende Familie saß. Dass alle ohne ernsthafte körperliche Blessuren davonkamen, kann man schon als echtes Wunder bezeichnen. Sachverständige klären jetzt die Unfallursache und prüfen, ob sich die Statik des Hauses, das vorerst unbewohnbar ist, reparieren lässt oder ob das ganze Gebäude abgerissen werden muss.

Ausgewählt, bearbeitet und kommentiert von Christof Leidner


Nachruf Klaus Neumann


Nachruf Klaus Neumann

Urgestein der Verschwisterung gestorben

Die Stadt Bargteheide und der Europaverein trauern um Klaus Neumann, "Urgestein" und über viele Jahrzehnte Aktiver der Verschwisterung Bargteheides mit Déville-lès-Rouen, der im Mai verstorben ist.

Seit den Begegnungen des Spielmannszuges des TSV Bargteheide mit dem Déviller Spielmannszug Réveil Dévillois gab es fast keine Begegnung, an der Klaus nicht beteiligt war. Er war Organisator im Hintergrund, ohne persönlich im Vordergrund stehen zu wollen. Internationale Musikfeste, gegenseitige Besuche und Begegnungen, sportliche Austausche, Bilder- und Ausstellungen von Kleingärtnern und vieles mehr wäre ohne den Einsatz von Klaus Neumann nicht durchführbar gewesen.

Der ehemalige Vorsitzende des Europaverein und Aktive der Verschwisterung, Andreas Bäuerle, war tief getroffen von der Nachricht: Mit Klaus Neumann verbinde ich viele gemeinsam geplante und erfolgreich durchgeführte Veranstaltungen im Rahmen der Verschwisterung. Mit seinem persönlichen tatkräftigen Einsatz hat er viele Veranstaltungen und Begegnungen erst ermöglicht. Unvergessen bleibt mir insbesondere sein Einsatz für das 50- jährige Verschwisterungsjubiläum mit Déville im Jahr 2019 und die dabei durchgeführten Veranstaltungen einschl. Festakt.

Sein Tod ist ein schwerer Verlust für die Verschwisterung und Bargteheide. Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gilt seiner Frau Christine, seiner Tochter Sabrina und der Familie.

Sein langjähriger und vielfältiger Einsatz für die Verschwisterung wird unvergessen bleiben.

Vielen Dank Klaus!


(Foto: Christine Neumann)


Städtepartnerschaft geht Online


Erster virtueller 'Kommunaler Dialog Zmigród – Bargteheide'

Corona betrifft alle Bereiche, somit auch die Städtepartnerschaften. Sollen sie weiterhin mit Leben erfüllt werden, müssen wir sie zurzeit 'online' führen.

Ein Format dieser Art hat der Europaverein Bargteheide gemeinsam mit der Stadtverwaltung Zmigród entwickelt. Bürgerinnen und Bürger beider Städte treten miteinander in Kontakt und referieren über bestimmte Themen. Interessierte aus beiden Kommunen sind eingeladen, sich dazu zuschalten und haben im Anschluss die Möglichkeit, beiden Referenten Fragen zu stellen und auch untereinander zu diskutieren.

Die erste Veranstaltung dieser Art fand am Dienstag, dem 23.März 2021, statt. Die Bargteheider Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht sowie ihr Kollege aus Zmigród, Robert Lewandowski, waren als Referenten geladen zum Thema "Die aktuelle Situation in beiden Städten". Diese Veranstaltung mit Pilotcharakter konnte nur von einem mit Fragebogen ausgestatteten 'Testpublikum' verfolgt werden, alle weiteren werden für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Martina Vollrath, Vorsitzende des Europavereins, führte in den Abend ein, der Polenexperte des Europavereins, Christof Leidner, und Anna Skocz vom Referat für Bildung, Öffentlichkeitsarbeit und NGOs des Żmigróder Rathauses übernahmen gemeinsam die Moderation. Beide Referenten stellten sehr anschaulich die durch Corona bedingten Probleme ihrer Kommunen dar, die Auswirkungen auf die Menschen aller Altersschichten und die Mittel, mit denen versucht wird, diese Pandemie einzudämmen. Dabei wurde deutlich, dass sich die Situation in beiden Städten nicht sehr unterscheidet.

Robert Lewandowski hob hervor, dass er seit Beginn der Pandemie in der Verwaltung Präsenz unter entsprechenden Hygienebedingungen dem Homeoffice vorgezogen habe, um den normalen Service für die Bürgerinnen und Bürger so weit wie möglich aufrecht zu erhalten. Im Laufe der Zeit kam es unter den 50 Mitarbeitern zu 15 Infektionsfällen (in Polen liegen die Inzidenzen höher als in Deutschland). Die Entscheidung hält er auch im Nachhinein für richtig. Bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedankte er sich für deren aufopferungsvollen Einsatz in diesen schwierigen Zeiten.

Das Leben sei, so berichtet er, zu Beginn der Krise im Zeitlupentempo abgelaufen. Dort war, wie auch bei uns, eine große Angst vor dem Virus immer präsent, die Menschen blieben Zuhause und widmeten sich Dingen, die vorher eher zu kurz gekommen waren. Um die Bürgerinnen und Bürger zu beruhigen bzw. auf dem Laufenden zu halten, wurden über die Medien alle 2 Tage Informationen über die aktuelle Lage verbreitet. Eine entsprechende Funktion hat der in Bargteheide von Frau Kruse-Gobrecht und ihrem Team erarbeitete Flurfunk.

Viele Firmen wurden geschlossen, unsicher, inwieweit sie Unterstützung bekommen würden, Hotels, Touristikunternehmen wurden von öffentlichen Gebühren bzw. Mietzahlungen an die Gemeinde vorübergehend befreit. Die Kommunen des Kreises Trzebnica spendeten gemeinsam Geld für Beatmungsgeräte im Krankenhaus, für Corona Tests, um die bis dahin langen Wartezeiten etwas zu verkürzen.

Pläne der Kommune für 2021, wie die Erweiterung der Grundschule und die Errichtung eines Hallenbades, konnten trotz der schwierigen Lagen in Angriff genommen werden, für ein großes Logistikzentrumdirekt an einer Schnellstraße sind Gespräche mit 3 Investoren im Gang. Für Zmigrod bedeutet das ein erhöhtes Gewerbesteueraufkommen sowie weitere Arbeitsplätze.

Die Gesundheit der Bürger sowie auch die Klimaverbesserung sind Robert Lewandowski ein besonderes Anliegen. Beiden dient z.B. der Ausbau des Radwegenetzes. Das Jahr 2021 wurde zum 'Fahrradjahr' erklärt In diesem Zusammenhang bemüht die Stadt sich auch um Touristen, für die ein Hostel mit 50 günstigen Übernachtungsplätzen errichtet werden soll. Zusätzlich hat sie Fahrräder angeschafft, die über ein Verleihsystem an Bürgerinnen und Bürger sowie Touristen verliehen werden, eine Einrichtung, die auch die Bargteheider Bürgermeisterin sich sehr gut für ihre Stadt vorstellen kann. Im Austausch für dieses System bot sie Lewandowski den gerade von der Stadt verabschiedeten Klimaaktionsplan an.

Es wäre nicht das erste Mal, das Aktionen der einen Stadt durch Impulse der anderen ins Leben gerufen werden. Bereits der Kijub und die Unterzeichnung des Projekts 'Kinderfreundliche Kommune' sind aufgrund von Impulsen aus Zmigrod entstanden.

Viele Gemeinsamkeiten gibt es auch in den Schulen. Vorgehensweisen während der Pandemie ähneln sich, und eben auch die Probleme, die die plötzliche Umstellung auf digitales Arbeiten mit sich gebracht hat. Und in Zmigrod ist es wie in Bargteheide, die Schüler*innen sind müde, haben das Homeschooling satt und sehnen, wie wir alle, wieder normale Zeiten herbei.

Der Einladung zu diesem ersten Dialog folgten auf deutscher Seite Mitglieder aus der Verwaltung beider Städte, der VHS, der SPD- und der CDU-Fraktion sowie weitere interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Das Fazit am Ende dieser mehr als zweistündigen Veranstaltung war durchweg positiv. Die Pandemie stellt uns über die Grenzen hinweg vor dieselben Aufgaben. Da hilft es sehr, sich auszutauschen, sich gegenseitig Mut zuzusprechen und dort, wo es möglich ist, sich auch zu unterstützen. In diesem Zusammenhang würdigte Robert Lewandowski noch einmal die Verbundenheit beider Städte gerade auch in dieser Krise. Gute Freunde, so betonte er, erkenne man erst in schweren Zeiten.

Ein gelungener Abend, der allen gezeigt hat, dass trotz Globalisierung und Digitalisierung Städtepartnerschaften kein Auslaufmodell sind – im Gegenteil.


Nachruf Robert Legras


Nachruf Robert Legras

Bargteheide trauert um Robert Legras

Die Stadt Bargteheide und der Europaverein trauern um Robert Legras, den Vorsitzenden des Déviller Spielmannszuges Réveil Dévillois, der in der vergangenen Woche seiner schweren Erkrankung erlegen ist. Auch aufgrund der vielen Auftritte als aktiver Musiker - zu Beginn noch gemeinsam mit dem Spielmannszug des TSV Bargteheide - und seinen privaten Besuchen bei seinen Bargteheider Gastgebern, war Robert eine bekannte und hoch geschätzte Persönlichkeit in Bargteheide. Für Bargteheides Partnerstadt Déville lès Rouen war er darüber hinaus noch als Stadtvertreter, Beigeordneter des Bürgermeisters und im Comité de Jumelage tätig. Am letzten Bargteheider Stadtfest hatte er noch mit dem Réveil Dévillois teilgenommen.

Andreas Bäuerle, ehemaliger Vorsitzender des Europavereins und langjährig Engagierter, zeigte sich tief getroffen von der Todesnachricht: "Mit Robert Legras verlieren wir einen langjährig Aktiven der Verschwisterung. Ich selbst verliere einen langjährigen Freund, den ich über 25 Jahre, seit den Begegnungen mit dem Bargteheider Spielmannzug kenne. Seitdem haben Robert und ich unzählige Austausche und Begegnungen sowohl in Déville als auch in Bargteheide, viele bei Stadtfesten, gemeinsam organisiert. Sein geistreicher Humor und seine Offenheit werden mir immer in Erinnerung bleiben."

Unser aller Anteilnahme und unser Mitgefühl gilt seiner Frau, seinen Kindern und seiner gesamten Familie. Wir werden Robert nicht vergessen!


(Foto: Europaverein Bargteheide)


Stadtzeitung Żmigród: Neues aus Bargteheide (3)


Hier ist die deutsche Übersetzung des letzten Artikels von Christof Leidner für die Stadtzeitung Żmigród.

Neues aus Bargteheide

Verehrte Damen und Herren, hier kommt der nächste Teil meiner Rubrik mit Schlaglichtern auf verschiedene größere und kleinere Ereignisse in Bargteheide, der deutschen Partnerstadt Żmigróds. Auf der Grundlage von Informationen aus der Lokalpresse und öffentlich zugänglichen Quellen möchte ich Ihnen laufend unser Leben, unsere Sorgen und Freuden hier in Bargteheide näherbringen. Und ich garantiere, dass ich das auf keinen Fall objektiv tun werde.

  • Im Zusammenhang mit der Corona-Situation habe ich eine außerordentlich schwierige Aufgabe, weil ich diesen Text vor den Weihnachtsfeiertagen einreichen musste und einem in diesen Zeiten das Wort im Munde veraltet. Allerdings bin ich kein Hellseher und kann darum nur so viel sagen, dass bis zum Erscheinen dieser Ausgabe der Żmigróder Nachrichten in unserem Landkreis drei Impfzentrum vorbereitet sein sollen. Und vielleicht werden sie schon arbeiten, wenn Ampullen, Spritzen und Impfstoff geliefert worden sind. Zu den ersten Impfkandidaten gehören Hochrisikopatienten, Mitarbeiter im Gesundheitswesen und der Öffentlichen Sicherheit, sowie Lehrer. Und alle anderen dürfen noch eine Weile intensiv darüber diskutieren, ob die Einschränkungen nicht ausreichend oder zu weit gehend sind.

  • In ganz Deutschland tun die Behörden alles dafür, um die Schulen auch während der Pandemie offen zu halten, was ihnen bis Anfang Dezember so halbwegs gelungen war. Dadurch kann ich über ein interessantes Projekt aus der Emil-Nolde-Grundschule berichten. Die Kinder bauen dort im Klassenzimmer in drei Hochbeeten Gemüse und Kräuter an. In kleinen Gruppen kümmern sie sich um die Pflanzen und beschäftigen sich parallel im Unterricht mit Biologie, Lebensmitteln und gesunder Ernährung. Und so haben sie die Ernteerträge bereits zu Pesto verarbeitet, das ihnen mit frischem Brot gut schmeckt. Das ist mal was anderes als Fastfood.

  • Ende Oktober ging der auch in Żmigród bekannte Eddi Buczkowski in Rente. Der aus Wałbrzych (ehemals Waldenburg) stammende Bargteheider gehört zu den beliebtesten Vertretern der Bargteheider Polonia. 35 Jahre lang war er Küster der evangelischen Kirchengemeinde und übte dabei die Rolle des Fahrers, Hausmeisters, Objektschützers, Unterhaltungskünstlers, Kirchenführers für Żmigróder Gäste und noch einige andere aus. Im Arbeitskittel machte er dabei eine genauso gute Figur wie im guten Anzug bei den Gottesdiensten. Er verkörpert schlicht den bekannten Satz: „Ein Pole kriegt‘s hin.“ Er wurde bei einem Gottesdienst verabschiedet, der wegen der Epidemie auf der Kircheninsel stattfand. Wir wünschen Eddi einen angenehmen und gesunden Ruhestand und freuen uns, dass wir bei künftigen Begegnungen weiterhin mit mindestens zwei seiner Begabungen rechnen dürfen: dem Akkordeonspiel und seiner guten Laune.

  • Die politischen Scharmützel zwischen Stadtvertretern und der Bürgermeisterin gehen weiter. Die Führungen dreier Parteien, die der Bürgermeisterin Kompetenzüberschreitungen und unterlassene Umsetzung von Beschlüssen der Stadtvertretung vorwerfen, trugen bei einer Pressekonferenz zahlreiche Beispiele dafür vor. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Vorwürfe geriet ihnen das Sündenregister so lang, dass sich die Zeitungen seines Inhaltes recht beliebig bedienten und die Leser nur mit Mühe verstanden, worum es im Kern überhaupt geht. Die Bürgermeisterin entgegnete trocken, sie habe lediglich unsinnige Beschlüsse in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht, was die Empörung der unzufriedenen Politiker nur noch steigerte. Sollen sie sich streiten. Das letzte Wort haben ohnehin die Wähler, denn eben sie werden in eineinhalb Jahren über das Schicksal der Bürgermeisterin und ein Jahr später über die Zusammensetzung der Stadtvertretung entscheiden. Und dann zählen Arbeitsergebnisse.

  • Davon, dass die deutschen Verbrechen im zweiten Weltkrieg bis ganz zum Schluss andauerten, zeugen die Todesmärsche, bei denen SS-Mannschaften die ausgemergelten Häftlinge aus Konzentrationslagern ins Nirgendwo trieben. Dabei wurden zahlreiche Menschen ermordet. Einer dieser Todesmärsche [im Original auf Deutsch – C.L.] führte aus dem Hamburger Lager Neu-engamme genau durch Bargteheide, wo die gequälten Menschen eine Nacht in einer Scheune in der Dorfmitte verbrachten. Zum 75. Jahrestags dieses traurigen Ereignisses hat eine Gruppe unterschiedlicher Aktivisten einen Audioguide entwickelt, mit dem sich der Verlauf der Route auf Bargteheider Gebiet nachvollziehen lässt. Die Aufnahme lässt sich mit einem QR-Code starten oder auf der Seite http://www.der-marsch.de finden. Die Auseinandersetzung mit der eigenen unrühmlichen Geschichte ist immer schmerzhaft. Dennoch ist das Bekenntnis zu den dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte seit vielen Jahren ein unverbrüchlicher Teil der Identität Nachkriegsdeutschlands.

  • Tom Stellmacher ist ein Künstler, der in Bargteheide aufgewachsen ist. Er hat Kunst und Kommunikationsdesign studiert. Heute hat er sein Atelier in einem früheren Laden, wo er auch Jugendlichen Kunstunterricht gibt. Jüngst rief er die Bargteheider dazu auf, ihm ihre geheimsten Wünsche zu schicken, damit er sie erfüllt – wenigstens künstlerisch mit Buntstiften auf Zeichenkarton im Minaturformat (5x8cm). Die vergrößerten Kopien zieren jetzt die gläserne Front des Ateliers. Die Wünsche sind recht verschieden, sowohl konkret als auch abstrakt. Die Menschen können dann vergrößerte Farbkopien für 1 Euro das Stück erwerben oder das Original für eine freiwillige Spende. Als seriöser Journalist der Żmigróder Nachrichten musste ich mich von dieser Möglichkeit natürlich selbst überzeugen. Und tatsächlich entdeckte ich einige Tage nach-dem ich den Wunsch eingereicht hatte, das entsprechende Bild im Schaufenster.

Ausgewählt, bearbeitet und kommentiert von Christof Leidner


FSJ auf Naatsaku Talu

Anfang des Jahres 2020 wurde der Europaverein von Jacob Bilal Hatem kontaktiert. Er teilte uns mit, dass er ein internationales FSJ in Estland auf Naatsaku Talu machen möchte. Darüber hinaus fragte Jacob nach, ob der Europaverein das Vorhaben evtl. finanziell unterstützen könnte. Nachdem wir uns über Naatsaku Talu informiert hatten und begeistert waren, haben wir Jacob gerne gefördert. Allerdings unter der Bedingung, dass er uns in einer Art "Reisetagebuch" an seinem Leben in Estland teilhaben lässt. Wir sind gespannt.

Mehr zu Naatsaku Talu über folgenden Link: http://www.naatsaku.com/

Jacobs Reiseberichte

Teil 3: November - Dezember (Arbeit und Freizeit)


November - Dezember (Arbeit und Freizeit)

"Der Fluch des Tagebuchschreibens besteht darin, dass man ein Stück unersetzbarer Lebenszeit dafür opfert, ein Stück erlebter Zeit zu Papier zu bringen mit dem möglichen Gewinn einer klärenden Übersicht. Und der mögliche Leser unserer Tagebuchnotizen setzt wiederum ein Stück unersetzbarer Lebenszeit dabei zu, wenn er das von uns in Buchstaben Beerdigte aufnimmt. Zeitverschleiß also für beide. Für vielleicht mit dem Gewinn verbunden, Selbsterlebtes an der Zustandsschilderung des Schicksalsgefährten zu messen, vielleicht auch sich selbst darin zu entdecken." – Werner Helwig

Zu Anfang meiner Zeit in Estland, lernte ich jeden Tag neue Tätigkeiten. Die Tage waren voll, anstrengend und stets neu. Nach den ersten Wochen entwickelte ich dann langsam so etwas wie eine Routine. Arbeiten die stetig zu erledigen waren, gingen mir leichter und vor allem auch schneller von der Hand. Doch so überkam mich auch öfters eine leichte Vergesslichkeit, mit einem Hang zur Ungenauigkeit. Dies ist eine verständliche Entwicklung, denn zu Anfang musste ich mir immer wieder jeden Schritt der Arbeitshandlungen, der ich zu folgen hatte, ausmahlen. Nachdem ich dies aber etliche Male getan hatte, ergab sich eine eingeübte Abfolge. Dessen "stumpfe" Wiederholungen, ließen mich dann wiederum Dinge vergessen. Durch ein striktes Korrigieren, denn kleine Fehler können hier einen langen Rattenschwanz nach sich ziehen, wie ich es schnell merkte, festigte sich aber meine Alltagsroutine, zu einer wirklichen.

Beschrieben habe ich ja schon wie sich der Arbeitsalltag hier gliedert. Nun möchte ich aber genauer auf die unterschiedlichen Arbeiten eingehen. Vor allem arbeite ich viel mit Holz. Einerseits in dem Bereich der Forstwirtschaft, aber auch in der Werkstatt und auf dem Hackklotz. Aber der Reihe nach. Wenn "man" genau ist geht die Arbeit im Wald los.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

Hier entasten wir vor allem Fichten. Da diese zum Verkauf, in Estland, am geeignetsten sind, gibt es um den Hof, ich würde ihn fast als eine Art Weiler bezeichnen, da soviel drum herum noch zu ihm gehört, was ich nun immer besser kennengelernt habe, immer wieder reine Fichten-Waldstücke. Die Baumstämme sind allerdings sehr verastet und so kriegt der Waldboden nur bedingt Licht. Ein zweiter Punkt spricht ebenfalls für das Entasten. Eben da die Fichtenstämme so verastet sind, hätten die Bohlen, zu denen sie z.B. weiterverarbeitet werden, nach dem Trocknen des Holzes, enorm viele Astlöcher. Wenn "man" aber früh genug den Stamm, bis ca. auf die halbe Höhe hochentastet was bedeutet, dass "man" mit Sägeblattern, die an verschieden langen Stielen stecken, die Äste rund um den Stamm herum absägt, ohne die Rinde zu verletzen, wächst die Rinde über die kleinen Aststümpfe bzw. die Stellen, an welchen das Holz offengelegt wurde, nach. Der Baum wächst also weiter und wenn er groß genug ist um gefällt zu werden ist der Ertrag gutes, nicht durchastetes Holz. Die Mühe machen wir uns natürlich nicht bei Bäumen die eh keine Überlebenschancen haben, weil z.B. ein Elch ihre Rinde schon zu stark beschädigt (abgefressen) hat, oder sie im Schatten eines größeren Baumes stehen, gegen den sie sich nicht durchsetzen können. Solche Bäume fällen wir. Diese verarbeiten wir dann entweder weiter zu Feuerholz, oder zu Zaunpfosten, die hier traditionell aus Fichtenholz gemacht werden. Wir arbeiteten auch oft am Weiderand, da der Wald, wenn nicht genau gearbeitet wird, immer mehr auf die Weidefläche wächst und sie so verkleinert. Hierbei fallen natürlich nicht nur Fichten an.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

Gerade zur Zeit der Kolchose war dies der Fall bei estländischen Weideflächen, denn wenn keine*r sich verantwortlich gefühlt hat, für die Weide, wurde sie Jahr für Jahr kleiner. Die Arbeit ging dann auf dem Hof weiter, wo wir das zuvor auf Haufen gesammelte Holz mit dem Trecker hinfuhren. Hier sägten wir es mit der Motorsäge in passend lange Stücke, zerhackten es auf dem Hackklotz und stapelten es fein ordentlich weg.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

Auch Zuhause haben wir einen Ofen und so habe ich schon öfters Holz aufgestapelt, doch hier ist es eine nicht vergleichbare Form der Genauigkeit die die Arbeit annimmt. Dies liegt auch daran, dass solche Stapel erst einmal für zwei Jahre lagern müssen, damit das frische Holz trocknen kann und in eben diesem Prozess bewegt sich ein Stapel doch ziemlich. So war dies unerwarteter Weiße zu Anfang sogar die Arbeit die mir am schwersten viel. Scheit für Scheit stapelte ich und glich zu Anfang sogar mit einer Leiste ab ob ich noch dem Anspruch gerecht wurde. Dies hört sich wahrscheinlich albern an, hätte es sich für mich zumindest, bevor ich es selbst gemacht habe. Es ist nicht einfach gleichzeitig darauf zu achten gerade zu stapeln in einer vertikalen, als auch horizontalen Achse und zudem müssen die Scheite leicht nach hinten hin abfallen, damit einem unter keinen Umständen die Scheite eines Tages entgegenfallen. Besonders begeistere ich mich auch für die Holzarbeiten in der Werkstatt. Hier fing ich mit einfachen Werkstücken an, wie das Reparieren von einem Besen und steigerte mich dann mit meinen Arbeiten. So machte ich zum Beispiel einen Stiel für eine Mistgabel, dessen Griff ich mit einer Zapfenverbindung befestigte, oder auch einen Beilstiel.

(Fotos: Jacob Bilal Hatem)

Bei letzterem war es besonders schwer symmetrisch zu arbeiten, da der Kopf genau mittig und ohne Neigung auf dem Stiel sitzen muss, damit die Kraftübertragung maximal und präzise, beim Hacken erfolgt. Auch repariere ich immer wieder kleine Dinge wie Futterschalen oder unterschiedliche Türen. Für solche Arbeiten muss natürlich auch immer wieder geeignetes Holz zurückgelegt werden. Besonders hartes, nicht durchastetetes Holz lagerten wir als Klötze ein, z.B. für Axt oder Beilstiele und von geeigneten Stämmen schälten wir die Rinde, sodass sie einmal Stiele, für zum Beispiel eine Mistgabel, werden können.

Auch gibt es immer wieder altes Holz, oder Holz was beim Fällen anfällt, welches nicht mehr genutzt werden kann. So sammelte sich mit der Zeit ein riesiger Feuerhaufen an, den ich zu meiner Freude im Dezember abbrennen lassen durfte. Das Feuer überragte mich und trieb mir beim Zusehen den Schweiß auf die Stirn, zusammen mit der Einsicht über seine kaum zähmbare Kraft und meiner Verantwortung ihr gegenüber. Immer wieder schaufelte ich die Holzreste vom Rand in die Mitte der Feuerstelle. Die Überreste glühten noch den ganzen Tag. In der Mittagspause legte ich noch etwas Holz nach und nach dem Kaffee und Kuchen, dann ist es mittlerweile ja schon dunkel, setzte ich mich noch ans Feuer und sang einige Pfadfinder*innen-Lieder.

Das bereits erwähnte Fahren mit dem Trecker viel mir zu Anfang sehr schwer, da ich noch jegliche Fahrerfahrung vor mir hatte. Doch nach einigem Üben kann ich nun einparken und meist "flüssig" anfahren.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

Der Trecker ist ein alter Eicher. Und abgesehen vom praktischen, erarbeiten wir auch theoretisches Wissen, z.B. über Motor, Bremsen und Getriebe. Für den Umgang mit der Motorsäge musste ich mich auch theoretisch mit ihr beschäftigen. Auch hier war und ist das Arbeiten keine Leichtigkeit. Zu Anfang ging ich sehr zögerlich vor, denn Schnittschutzhose, die ich geflickt hatte, und Arbeitsschuhe können einem natürlich nicht eine Absicherung vor schwerwiegenden Fehlern garantieren. Doch mit mehr Übung wurde ich sicherer und erweiterte meine Aufgabenfelder, so kann ich mittlerweile nicht mehr nur mit der kleinen Motorsäge am Sägebock arbeiten sondern auch schon kleiner Bäume im Wald fällen und große Stämme auf dem Boden Kleinsägen. Dies ist besonders anspruchsvoll denn "man" muss viele Dinge gleichzeitig beachten. Einerseits das Sägeblatt, sodass "man" es weder in die Erde, noch in sein Fleisch fahren lässt, auch muss "man" beim Sägen die Normgröße für die Scheite einhalten, hier werden für verschiedene Öfen lange und kurze Scheite benötigt. Vor allem ist es aber wichtig gerade Schnitte zu machen, denn das Holz muss auf dem Hackklotz, zum Holzhacken, frei stehen können. Außerdem ist für den Gebrauch der Motorsäge natürlich noch wichtig zu wissen wie "man" das Benzin richtig an mischt, das Sägeblatt schleift und richtig einstellt und auch das Starten musste ich überhaupt erst einmal üben.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

Mit dem Trecker transportieren wir vor allem Dinge wie die beschriebenen Stämme, aber auch Heu, abgemähte Gräser, oder Sand. Das abgemähte Gras entsteht bei der Arbeit mit dem Freischneider. Ebenfalls eine Arbeit die ich gerne und oft mache. Hier schnitt ich vor allem die Ränder der Weideflächen frei. Ich sense dann alles ab was für die Motorsäge zu klein ist. Dies ist vor allem dazu da, dass die Weideflächen im nächsten Jahr wieder gut aufgrünen können und nicht unter alten verrotteten Gräsern und kleinen Ästen daran gehindert werden. Auch arbeitete ich den Rand einer Kuhweide nach, sodass der Zaun für die Kühe besser zu erkennen ist, sprich wirksamer.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

Den Sand holten wir aus einer großen Grube vom Waldrand und siebten ihn anschließend, sodass keine Biomasse mehr in ihm vorzufinden war, wie beispielsweise Wurzeln. Im "reinen" Sand lagerten wir dann Karotten und Rote Beete ein und brachten sie in den Keller.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

Wir haben nämlich auch den Acker weitestgehend abgeerntet. Sprich: Kartoffeln, Kohlrabi, Karotten, Rote Beete, Lauch, Zwiebeln, Kürbis, Zucchini, Steckrüben, Pastinaken, Sonnenblumen, Salat und aus dem Gewächshaus Tomaten, Paprika und Spinat.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

Wir pflückten auch Beeren wie zum Beispiel Sanddorn. Bestimmt habe ich noch etwas vergessen in dieser Aufzählung. Besonders die Kartoffelernte war eine langwährende Aktion. Viele Arbeitseinheiten verbrachte ich, meist mit Hilfe, hierfür auf dem Acker. Zuerst wurden die Reihen grob von dem Unkraut befreit, vor allem von Franzosenkraut und dann setzte sich einer breitbeinig über die Kartoffelreihe und folgte kniend dem/der anderen der/die sich rückwärts bewegend die Erde mit einem Spaten auflockerte, sodass drahtige Wurzeln und Kartoffeln zum Vorschein kamen, die die hockende Person in getrennte Kisten sortierte. Wir ernteten Kartoffeln in vielen Farben und Sorten, die anschließend für unterschiedliche Zwecke sortiert und eingelagert wurden. Gerade unter der Kartoffelernte litten meine Hände sehr. Doch es fühlte sich sehr gut an in der Erde zu wühlen und so waren die verfärbten, rissig rauen Hände nur ein weiterer Beweis für das Leben auf dem Bäuerinnenhof.

Eine besonders tolle und aufwändige Aktion war die Apfelernte. Von sämtlichen Bäumen pflückten wir die reifen Äpfel, mit Geräten die wie lange Kescher fungieren deren Netzränder mit Metall verstärkt sind, sodass wir die Äpfel gut von den Stielen lösen konnten.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

Ab und zu mussten wir trotzdem auch mal auf die Bäume klettern, die interessanter Weise zur Familie der Rosengewächse gehören. Wenn "man" genauer hinsieht kann "man" auch Dornen an den Ästen entdecken. Die gepflückten Äpfel, ohne Ditschstellen, lagerten wir im kalten Keller ein und aus den heruntergefallenen machten wir Apfelsaft. Hierzu wuschen wir viele Flaschen aus und sortierten die sehr gammeligen Äpfel aus, oder schnitten die schlechten Stellen heraus. Dann ging es ans Pressen und anschließend ans Erhitzen vom Saft. Der wurde dann in Flaschen und Gläser abgefüllt. Etwas mehr als 100 Liter kamen so zusammen, worüber wir uns sehr freuten, denn insgesamt war die Ernte eher schlecht ausgefallen. Der frische Saft schmeckte herrlich und es fühlte sich toll an so ein ganz eigenes Produkt hergestellt zu haben. Auch die Tiere freuten sich über die Ausgepressten Überreste.

Ansonsten gibt es natürlich noch jede Menge kleinere Arbeiten. Zum Beispiel machte ich einige Fahrräder wieder fit, die wir nun auch hier benutzen können, ich lernte auch das Wechseln von Autoreifen, und es mussten einige Büsche um- und eingepflanzt werden, zum Beispiel Aroniasträuche.

Samstag, wenn wir nur bis um 10:30 Uhr arbeiten ist immer Putztag, dann wird alles wieder für die kommende Woche reine gemacht, bei den Tieren und den Menschen. Ich putze meistens Küche, Flur, Aufenthaltsraum und das Computerzimmer.

All diese, einem meist Anstrengungen abverlangenden und draußen stattfindenden Arbeiten veranlassen bei mir meist eine Trägheit am Sonntag, doch auch diese kann ich dann vollends auskosten. Samstags haben Nadja und ich oft noch "Programm", so hatten wir zum Beispiel alle zwei Wochen Estnisch-Unterricht in Viljandi, der nächst größeren Stadt, oder besuchten bereits zwei mal einen Töpfer*innen-Kurs. Auch hierzu nahm uns unsere Estnischlehrerin mit, die früher Deutsch in estnischen Schulen unterrichtet hatte. Mittlerweile werden hierzulande wohl nicht mehr viele Deutschlehrer*innen gebraucht und so ist sie nun im sozialen Bereich tätig, da ihr aber der Sprachunterricht solche Freude bereitet, bringt sie immer wieder deutschen FSJler*innen die estnische Sprache näher. So auch uns. Mir war es besonders wichtig einen Eindruck dieser so fremdartig klingenden Sprache, in meinen Ohren etwas spielerisch, wie wenn sich Zwerge und Trolle im moosbewachsenen und verschneiten Wald unterhalten, zu bekommen. Denn auch wenn ich bei der Arbeit keinen wirklichen Gebrauch von ihr machen kann, möchte ich nicht eine so lange Zeit in Estland verbracht haben ohne einen, wenigstens kleinen Zugang zur Sprache bekommen zu haben. Unsere Lehrerin vermittelte uns auch den Kontakt zu Felix und Nis, zwei FÖJ’ler aus Deutschland, die sich hier in einem Nationalpark engagieren. Mit ihnen verbrachten wir bereits viel Zeit. Unter der Woche sind wir meist zu geschafft um noch etwas Größeres, wie eine Verabredung mit ihnen, zu unternehmen, und auch ist die Zeit dafür nicht da. Doch am Wochenende, also Samstag nach der Arbeit, konnten wir sie schon zweimal im Nationalpark besuchen. Dann übernahm Markus unsere Tierdienste für den Samstagabend und Sonntagmorgen und wir konnten bei ihnen übernachten. Auch sie besuchten uns ein paar mal und wir machten z.B. einen Saunaabend. Am Morgen halfen sie sogar schon bei diversen Arbeiten mit. Die Freizeitgestaltung, wie auch die Arbeit, hat sich mit dem Jahreszeitenwechsel aber auch geändert, worauf ich im folgenden Bericht noch genauer eingehen werde.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

So haben Felix Nis und ich, als ich sie das erste mal Ende September besuchte, noch freihimmel im Nationalpark übernachtet und gegrillt. Nun treffen wir uns eher um zusammen gemütlich zu Kochen und einen Film anzuschauen. Auch konnte ich im September nachmittags nach der Arbeit sogar noch einmal im See schwimmen, nun lese ich viel vor dem Kamin. Insgesamt nehme ich mir sehr viel Zeit um in Ruhe Dinge für mich zu tun, für die ich mir in Deutschland zu selten die Zeit nahm; Malen, Gitarre üben, Spazieren gehen. Mit Nadja mache ich auch immer wieder Sachen selber, wie z.B. Apfelringe oder Hagebuttentee, wir machen aber auch gerne Dinge draußen, wir haben z.B. Fossilen gesammelt oder lange Spaziergänge gemacht. Abends gucken Nadja und ich gerne Filme, oft Klassiker bei denen ich mir schon lange vorgenommen habe sie zu schauen. Immer wieder Jim Jarmusch Filme, die ruhigen, auf den Moment und das wesentliche fokussierten Einstellungen der Szenen passen besonders gut in unsere derzeitige Lebensrealität. Auch ist es verrückt wie Filme mich hier, im Gegensatz zu Zuhause, packen und oft noch mehrere Tage gedanklich begleiten. Wenn um einen herum sonst alles mit so wenig Ablenkung vor sich geht, ist das Schauen eines Filmes wie das sich Katapultieren in eine andere Welt, aus der ich erst langsam wieder auftauchen muss.

Gerne spielen wir auch Gesellschaftsspiele und seit der Adventszeit singen wir auch regelmäßig Weihnachtslieder mit den Nachbarskindern und Klavierbegleitung von Nora, oder mit Gitarrenspiel von Markus. Die Weihnachtszeit ist mit Schnee, Keksen und Adventskränzen auch in Estland eingeläutet worden. Ende Dezember habe ich mich dann mit dem Bus und vielen Hofprodukten, wie z.B. Kartoffeln, Apfelsaft und selbstgebackenem Brot, auf den Weg nach Deutschland gemacht, wo ich im kleinen Familienkreis dann sehr schöne Weihnachten verbrachte. Im kommenden Jahr und Bericht werde ich dann einige Themen die ich hier anklingen lassen habe, wie z.B. das selber machen von Produkten, das Kochen und die Folgen des Winters beschreiben. Vor allem möchte ich aber auch auf das nachhaltige Leben, was wir auf Naatsaku führen, eingehen und was ich daraus und aus der in diesem Bericht beschriebenen Arbeit lerne.

(Foto: Jacob Bilal Hatem)

*Ich habe versucht, in diesem Text keine sexistischen Ausdrücke zu wählen und auf eine geschlechtergerechte Sprache aufmerksam zu machen, die keine stereotypischen Rollenbilder reproduziert.